Anton van Norden (1879-1955)
Geboren am 4. Juni 1879 in Loga bei Leer in Ostfriesland wuchs Anton van Norden nach dem Tode des Vaters, eines Kaufmannes, bei Pflegeltern in Bunde auf. Über die Mutter ist nichts bekannt.
1883-1910
Ausbildung und erste Berufsphase
Als 14jähriger begann für ihn eine zweijährige Lehrzeit als Zimmermann und Maurer in Köln. Diese praktische Ausbildung war die Voraussetzung für das Studium an der Königlichen Baugewerkeschule (eine dem heutigen Fachholschulstudium entsprechende Ausbildung), die er bis 1898 besuchte. An das Studium schlossen sich mehrere kürzere Anstellungen in Architekturbüros an, zuletzt als Bauleiter.
Nach diesen ersten praktischen Berufserfahrungen in der freien Wirtschaft wechselte er 21jährig als Hospitant wieder an eine Hochschule.
Er besuchte die Großherzogliche Technische Hochschule in Darmstadt und arbeitete studienbegleitend als Mitarbeiter u.a. von Prof. Karl Hofmann an verschiedenen Projekten.
Hervorzuheben ist seine Tätigkeit im Büro des zur Jahrhundertwende sehr bekannten Jugendstil-Architekten Joseph Maria Olbrich in Darmstadt. Welche Aufgabe er hier innehatte oder welche Bauten er begleitete ist nicht bekannt, jedoch ist in seinen späteren eigenen Entwürfen der Einfluss Olbrichs und seiner reduzierten Formensprache unverkennbar.
Nach einjähriger Militärdienstzeit arbeitete er 1904 als technischer Büroleiter in Gießen bis ihn die Einberufung zu einer achtwöchigen militärischen Übung diese Anstellung kostete.
Im Anschluss daran war er kurzzeitig für die Hochbauabteilung der Kölner Eisenbahndirektion tätig bevor er ab Februar 1906 in das Hochbauamt der Stadt Mainz wechselte.
In dieser Zeit erfolgte vermutlich auch seine Heirat mit der Pastorentochter Elfriede (?) Sperling (geb. 1881) aus dem Raum Frankfurt/Oder. Aus dieser Ehe ging der Sohn Paul Gerhard hervor.
Trotz der ungekündigten Anstellung in Mainz bewarb er sich 1909 auf eine Stellenausschreibung der Stadt Peine für die Errichtung der Höheren Mädchenschule (Lyceum). Am 2. März 1909 trat er seinen Dienst als Stadtbaumeister in Peine für 250 Mark monatlich an. In dieser Zeit entwarf er auch den Musikpavillon im Stadtpark, der in seiner massiven Ausführung den gusseisernen Vorgängerbau ersetzte.
Als sein Vorgesetzter, Stadtbaurat Dr. Göbel, 1910 Peine verließ, übernahm er gegen eine Sonderzahlung von 100 Mark vertretungsweise dessen Aufgaben.
Offenbar hielt er seine berufliche Stellung als kommissarischer Stadtbaurat für nicht erfüllend oder ausreichend sicher, sodass er im April 1910, gestärkt durch eine Reihe von Anfragen privater Bauherren, dem Magistrat mitteilte, er habe sich entschlossen „für die Zukunft eine sichere Existenz zu gründen und sich in hiesiger Stadt als Privat-Architekt niederzulassen.“ Man einigte sich auf eine Übergangszeit von sechs Monaten in der er halbtags – bei einer Gehaltskürzung um 50 Mark – an der Fertigstellung des Lyceums weiterarbeitete. Ende Oktober 1910 endete dann sein Dienstverhältnis bei der Stadt Peine.
Es stellt sich die Frage, ob die Motivation für sein Entgegenkommen dem Magistrat gegenüber dem Wunsch nach einem möglichst ungetrübten künftigen Verhältnis zur Genehmigungsbehörde entstammt oder eher einen „weichen“ Übergang in die berufliche Selbständigkeit ermöglichen sollte.
1910-1945
Zweite Berufsphase
Die Zeit bis zum zweiten Weltkrieg stellt die erfolgreichste Phase beruflicher Tätigkeit van Nordens dar. Bereits kurz nach Gründung des Büros, damals noch in der Hohenzollernstr. 15 (heute Kantstr.) ansässig, erhielt er eine Reihe von größeren Aufträgen, z. B. 1911 das Gemeindehaus der Lutherkirchengemeinde.
Die gute Entwicklung des Büros versetzte ihn in die Lage, schon 1914 an der Senator-Voges-Straße eine Villa mit Büro für sich selbst zu errichten.
Offenbar bestand in der vermutlich Architekten-losen und zur damaligen Zeit weniger als 20.000 Einwohner zählenden Kleinstadt ein großer Bedarf. Anders lässt sich der große Erfolg zumindest der der Anfangszeit nicht erklären. Zumindest zeitweise muss er sogar eine „Filiale“ seines „Büros für Architektur und Kunstgewerbe“ in Bad Hersfeld unterhalten haben, wie Schriftstücke für das Jahr 1912 belegen.
Viele der zu dieser Zeit errichteten Bauten stellen auch heute noch markante Fixpunkte im Stadtbild dar. So errichtete er 1913 an der Breiten Straße, in direkter Nachbarschaft der Jakobikirche, für den jüdischen Kaufmann Louis Fels ein Wohn- und Geschäftshaus. Es folgten eine Reihe von Wohn- und Geschäftshäusern in Peine und Umgebung. Das größte Projekt aber stellen die von 1927 bis 1935 errichteten Gebäude der Härke-Brauerei dar, deren Hausarchitekt van Norden war.
In der beruflich schwierigen Nachkriegszeit verstarb 1920 erst 38jährig seine Ehefrau. Der Sohn Paul Gerhard wird ca. 14 Jahre alt gewesen sein. 1921 heiratete er die Peiner Kaufmannstochter Elisabeth Tecklenburg (1891-1967). Der Vater betrieb ein Kolonialwarengeschäft im heutigen Haus Farben-Hansen, das 1923 von van Norden mit einer hohen leicht gewölbten Backsteinfassade versehen wurde. Aus der Ehe Elisabeth gingen keine Kinder hervor.
Ausdruck seiner stark nationalen politischen Überzeugung stellt die Mitarbeit an der Errichtung des Schlageter-Denkmals auf dem Luhberg dar. Van Norden war Mitglied des antikommunistischen und antisemitischen Jungdeutschen Ordens, des stärksten nationalen Verbandes der Weimarer Republik, und hatte den architektonischen Entwurf für den 1926 eingeweihten Feldstein-Obelisken geliefert.
1945-1955
Dritte Berufsphase
Ein Jahr nach Ende des zweiten Weltkrieges trat 1946 Norbert Stiller als Bürochef in das Büro van Norden ein. Dieser prägte wesentlich die Architektur der letzten Schaffensperiode. So überarbeitete er beispielsweise den bereits aus dem Jahre 1911 stammenden Entwurf der Lutherkirche indem er ihn in eine zeitgemäße Form brachte. Das auffällige Gestaltungselement des freistehenden Turms (Campanile) behielt er jedoch bei.
In den 50er Jahren arbeite van Norden an verschiedenen Projekten mit seinem Sohn Paul Gerhard zusammen. So zum Beispiel der Kreisberufsschule (auf Einhaltung der bereits 1938 erhaltene Zusage hatte er bestanden) und den Direktorenhäusern am Hubenweg. Leider kam es zwischen Vater und Sohn zu einem schweren Zerwürfnis in dessen Folge der vielfach in Wettbewerben ausgezeichnete Paul Gerhard das Büro und auch Peine verließ. Er ist 1979 in Leipzig verstorben. Ein Enkel lebt heute in Heidelberg.
Die letzten Jahre seines Lebens war van Norden bereits schwer krank und in seiner körperlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt.
Er starb am 16.Juli 1955 im Alter von 78 Jahren. Seine Grabstätte liegt auf dem evangelischen Friedhof an der Gunzelinstraße und wird von der Friedhofsverwaltung gepflegt.
