Dezember

Montag, 09.12.2019
19:30 Uhr
Kreismuseum Peine
Stederdorfer Str. 17
31224 Peine

Eintritt frei


Thomas Budde, M.A.

Von Katzen Rosen und Toren -
Die Arch├Ąologie der
Rosenhagenvorstadt

Thema des Vortrags ist die arch├Ąologische Erforschung der Peiner Rosenhagenvorstadt. Der am Nordostrand der Stadt gelegene, das Stederdorfer Tor verlassende und in Richtung Celle und Gifhorn f├╝hrende, einst l├╝ckenlos mit Fachwerkh├Ąusern bebaute Stra├čenzug hie├č bis in das 19. Jahrhundert noch ÔÇ×KatzhagenÔÇť bzw. niederdeutsch ÔÇ×KattenhagenÔÇť. Die gro├če Besonderheit ist, dass er vollst├Ąndig auf einem Niedermoor, dem Hagen, erbaut worden ist. Erst als die Moorgebiete um die Peine Altstadt vor mehr als 130 Jahren im Zuge des systematisch Ausbaus der prosperierenden Industriestadt aufgesiedelt worden sind, wuchs der Rosenhagen allm├Ąhlich in die Stadt hinein, bewahrte aber bis in j├╝ngere Zeit sein besonderes Gepr├Ąge als eigener Stadtteil mit eigener Geschichte .

Die Fr├╝hgeschichte des Katzhagen - die Zeit vor 1700 - aber war bis vor 15 Jahren noch nahezu unbekannt. Dies hat sich inzwischen dank einer Reihe neuer Grabungsma├čnahmen unter Leitung des Referenten seit dem Jahr 2006 deutlich ge├Ąndert. Dabei wurden in fr├╝herer Zeit zun├Ąchst zahlreiche Chancen vertan, insbesondere blieb der Durchbruch der Werderstra├če samt sp├Ąterer Anbindung an die Westumgehung ohne arch├Ąologische Begleitung. Insgesamt sieben Altstadtgrundst├╝cke wurden dabei einplaniert. Beim Abriss der ÔÇ×MairieÔÇť auf dem Grundst├╝ck der heutigen Christuskirche im Jahr 1959 wurden zwar Arch├Ąologen des Landesmuseums Hannover t├Ątig, doch blieb die Ausgrabung unausgewertet und ist heute kaum mehr rekonstruierbar. Damalige Zeitungsberichte pr├Ągten sogar f├╝r Jahrzehnte das Vorurteil, dass der Katzhagen ein besonders alter Stadtteil mit mittelalterlichem Ursprung aus der Gr├╝ndungszeit Peines sei. Schon bei den ersten neuen Ausgrabungen 2006 im Hinterhof Rosenhagen 38 wurde klar, dass dies nicht stimmen kann. Ma├čgebliche neue Ergebnisse erbrachte die durchgehende fl├Ąchige arch├Ąologische Begleitung des Stra├čenausbaus zwischen Werderstra├če und Bleicherwiesen von 2007 bis 2009. Im Anschluss an die Grabungsaufarbeitung wurden die arch├Ąologischen Erkenntnisse durch Heranziehung archivalischer Schrift - und Kartenquellen in einen Gesamtzusammenhang gebracht. Zu nennen ist etwa der l├╝ckelose Nachweis des im Moor verlegten Bohlenweges der Heerstra├če Peine-Celle und die Datierung von Bohlenproben in die Zeit um 1240, der Nachweis des Katzhagentores als ├Ąu├čerem nordwestlichen Stadttor mit mehreren Bauphasen (1412 bis 1772) und die zeitliche Eingrenzung der Anlegung der Katzhagenvorstadt durch zahlreiches Fundmaterial in die Zeit um 1600 als der Katzhagen erstmals indirekt auch archivalisch bezeugt ist (1610). In den Jahren 2010 und 2013 folgten kleinere Untersuchungen auf dem Grundst├╝ck Rosenhagen 38 sowie im Einm├╝ndungsbereich der Werderstra├če vor Nr. 44. W├Ąhrend diese eher nur best├Ątigenden Charakter hatten, brachten j├╝ngste umfangreiche Grabungen im Jahr 2017 im Auftrag der Peiner Heimst├Ątte auf den Abrissgrundst├╝cken Rosenhagen 18 bis 20 neben zahlreichen Funden auch neue Erkenntnisse ├╝ber die Siedlungsentwicklung und gewerbliche Nutzung der Grundst├╝cke (Gerberei, Schuhmacherhandwerk), die im Rahmen der Vortrags vorgestellt werden sollen.

Thomas Budde M.A.

Grabungsimpressionen Rosenhagen, Peine.

Fotos: T. Budde, M.A.