Ralf HollÀnder & Heinrich Winkelmann

Der Burgpark –

Geschichte von Schloß und Burg Peine

In dem engen Schacht war es zu dieser Zeit bereits recht schummerig. Die hohen glatten WĂ€nde boten kaum Halt und bei jeder Bewegung stieß er gegen die roh behauenen Steine. Dann, urplötzlich gab der Schutt unter ihm nach und sein rechtes Bein sank ein StĂŒck weit ein. Voller gespannter Erwartungen spĂ€hte er in das dunkle Loch, daß sich am Boden aufgetan hatte. Vorsichtig vortastend spĂŒrte er, daß die Öffnung sich seitlich offenbar zu einer Art Tunnel erweiterte ...

Diese Szene ereignete sich nicht etwa im Tal der Könige sondern auf einem der bedeutendsten BurgplĂ€tze unserer Region, dem Schloßberg in Peine. Fast 200 Jahre nach Abtragung der letzten SchloßgebĂ€ude und unterschiedlicher Nutzung des GelĂ€ndes legten die Mitarbeiter der ehrenamtlichen archĂ€ologischen Denkmalpflege 1998/1999 wichtige Teile der mĂ€chtigen Befestigungsanlage wieder frei. Restauriert und rekonstruiert sind diese nun im neu geschaffenen Burgpark der Öffentlichkeit zugĂ€nglich.

Die Peiner Altstadthalbinsel

Der Burgberg liegt an der Spitze einer etwa 400 Meter breiten und 800 Meter langen Landzunge aus eiszeitlichen Kiesen und Sanden. Diese Peiner Altstadthalbinsel besaß durch ausgedehnte Feuchtgebiete auf drei Seiten bereits einen natĂŒrlichen Schutz. Die einzige Schwachstelle dieses Verteidigungsringes mußte durch Graben und Wall geschĂŒtzt werden (Wallstraße/Pulverturmwall).

Über die Entstehung, das Aussehen und den Erbauer der ersten Peiner Burg jedoch gibt es keine historisch gesicherten Belege. Die geographischen Gegebenheiten machen es aber wahrscheinlich, daß auf dem spĂ€teren Burgareal bereits frĂŒh eine befestigte Anlage gestanden hat. Sie wird die Aufgabe gehabt haben, den Handel auf der nahegelegenen Fuhsefurt zu schĂŒtzen und zu kontrollieren. Die Lage der Befestigung auf einer trockenen Halbinsel inmitten sumpfigen GelĂ€ndes war dafĂŒr ideal. Wie im Mittelalter zunĂ€chst ĂŒblich, dĂŒrfte die Befestigung aus einem wassergefĂŒllten Graben, einer kreisförmigen Palisade und einem aus Holz gefertigten Turm sowie einigen BlockhĂ€usern bestanden haben.

Der Burgberg selbst ist im Laufe der Jahrhunderte mehrfach aufgeschĂŒttet und in seiner Form verĂ€ndert worden. Erst aus dem 16. Jahrhundert liegt mit der Peiner HochzeitsschĂŒssel von 1534 die Ă€lteste Darstellung des Burgbereichs vor. Es handelt sich um eine Belagerungsszene aus der Hildesheimer Stiftsfehde (1519 - 1522). Zentrales Motiv ist ein nahezu runder Burgberg, der ringförmig von einem breiten Wassergraben umgeben ist. Über den Graben fĂŒhrte vermutlich im Bereich der Straße am Amthof eine hölzerne ZugbrĂŒcke, die von einer Vorburg (Am Amthof, etwa im Bereich der Weinhandlung Euling) gesichert wurde. Über das Aussehen der GebĂ€ude der Vorburg lassen sich keine nĂ€heren Angaben machen.

Der Burgwall ist durch dicke EichenpfĂ€hle gesichert, die im Uferbereich eine weitstĂ€ndige Palisade bilden und zusĂ€tzlich den Berg hinauflaufen. Etwa auf der HĂ€lfte des Berges, im Bereich der ZugbrĂŒcke, sind einige Kasematten zu sehen, aus denen auf die Angreifer geschossen wird. Die BurggebĂ€ude sind umgeben von einem Ringwall, dessen Krone einen Laufgang und Palisaden aus FlechtzĂ€unen trĂ€gt. Den Mittelpunkt des GebĂ€udekomplexes bildet ein achteckiger Turm (Bergfried), dessen Obergeschoß auf Konsolen ausgekragt ist und ein spitzes Zeltdach trĂ€gt. SĂŒdlich davon steht ein dickerer, gedrungener Turm mit quadratischem Grundriß. Die TĂŒrme sind durch niedrige GebĂ€ude mit Zinnen verbunden. Nördlich des zentralen Turmes bzw. von diesem verdeckt schließt sich ein zweistöckiges GebĂ€ude an, das aufgrund seiner BauausfĂŒhrung (ZwerchhĂ€user, gotische Fenster, Schieferdeckung), als HauptgebĂ€ude oder Pallas zu deuten ist.

WĂ€hrend der zweiten Belagerung Peines im Jahre 1521 wurde die Burg schwer beschĂ€digt. Vor allem der „Grobe GĂŒnzel“ war von den Belagerern unter Feuer genommen worden. Die Braunschweiger hofften darauf, daß er in den Wassergraben stĂŒrzen und den Belagerern ein Überqueren des Grabens ermöglichen wĂŒrde. Die Burgbesatzung sicherte den Turm mit schweren Ketten und ließ ihn schließlich in den Burghof stĂŒrzen.

WĂ€hrend der letzten beiden Belagerungen entstand wohl auch die heute noch in mehreren Versionen in der Peiner Bevölkerung kursierende Eulensage. Sie gab der Stadt ihren in ganz Niedersachsen bekannten Spitznamen „Eulennest“. Ein sichtbares Zeichen fĂŒr die besondere Verbindung zwischen Eule und Burg ist der heute im Kestner-Museum befindliche Eulenpokal. Bis zum Ende der hildesheimischen Herrschaft im Jahre 1802 wurde er im Peiner Schloß aufbewahrt. DarĂŒber hinaus zeigte der Bischof seine Dankbarkeit durch einen am Burgtor angebrachten Stein. Auf ihm war eine Eule abgebildet und darunter folgende lateinische Inschrift eingemeißelt:

”Noctua, Peinensis custos, defenderat olim/
Peinensis castri moenia, fama ut habet./
Ponimus hunc vigilem rursus Peinensis ad arcis/
ingressum. Hic noctis tempore bubo sedet./
Bubo oculis trucibus minatur et unguibus uncis,/
Ulula, tu vigiles! arx invicta manet.”

“Ein Kauz hatte einst als Peines WĂ€chter verteidigt
die Mauern der Peiner Burg, wie die Geschichte geht.
Wir setzten diesen WĂ€chter wieder an den Eingang
zur Burg. Hier sitzt zur Nachtzeit die Eule.
Die Eule droht mit trotzigen Augen und gebogenen Krallen.
Halt' Wache, Kauz! (So) bleibt die Burg unbesiegt.”
(1)

Nach der Zerstörung in der Stiftsfehde verwendete man beim Wiederaufbau die Bausteine der eingestĂŒrzten TĂŒrme und errichtete einen sehr schlichten Neubau. Aus Geldmangel verzichteten die Hildesheimer auf die frĂŒher weithin sichtbaren TĂŒrme und Zinnen des VorgĂ€ngerbaues. Das neue HauptgebĂ€ude war zweistöckig und besaß auf einem massivem Untergeschoß ein Fachwerkobergeschoß mit hohem Walmdach. Daran schloß sich im Nordosten ein von niedrigen WirtschaftsgebĂ€uden umschlossener runder/ovaler Hof mit einigen vorspringenden WirtschaftsgebĂ€uden. Die runde Form der Anlage orientierte sich an der zu der Zeit noch runden Form des mittelalterlichen Burgberges.

Der Zugang zur Burg war von zwei Seiten möglich, einmal vom Markt ĂŒber eine ZugbrĂŒcke oder von der heutigen Katholischen Kirche aus auf den nordwestlichen Burgberg, wo sich auch das TorgebĂ€ude mit Zwinger befand. Wer von der Stadt aus ĂŒber die ZugbrĂŒcke kam, mußte also außen fast um das gesamte Schloß herumgehen.

Im ĂŒbrigen ist diese Nachfehdezeit von schweren Brandkatastrophen gekennzeichnet. So brannte am 15. Mai 1557 die gesamte Stadt nieder. Sowohl das mittelalterliche Rathaus als auch die auf der HochzeitsschĂŒssel sichtbare Jakobikirche auf dem Markt wurden ein Raub der Flammen. Lediglich das Burgareal, auf das sich die Besatzung wĂ€hrend des Brandes geflĂŒchtet hatte, blieb vom Feuer verschont.

Im Verlauf des DreißigjĂ€hrigen Krieges zogen wiederholt TruppenverbĂ€nde der verschiedenen Kriegsparteien durch die Stadt. Die Schloßbesatzung wechselte stĂ€ndig zwischen Kaiserlichen, Schweden und Braunschweigern hin und her. FĂŒr die Versorgung der unzĂ€hligen Söldner war die Stadt beziehungsweise ihre BĂŒrgerschaft verantwortlich. Besonders schlimm waren die Einquartierungen. 1633 kam es sogar zu einer Belagerung von Stadt und Schloß durch braunschweigische Truppen. Nachdem die Braunschweiger einige Zeit die Stadtbefestigung beschossen hatten, gaben die Kaiserlichen die Stadt verloren und zogen sich auf das Schloß zurĂŒck. Anders als in den Belagerungen der Stiftsfehde gaben die Verteidiger diesmal das Schloß bereits nach drei Tagen, am 31. Juli 1633, auf und zogen sich in die Festung nach WolfenbĂŒttel zurĂŒck. Das Schloß erhielt nunmehr eine braunschweigische Garnison. Die Stadt aber, die den Truppen des Herzogs einige Zeit Widerstand geleistet hatte, mußte dafĂŒr ihre WĂ€lle abtragen und den Graben zuschĂŒtten. Schutzlos waren sie von nun an jedem Angreifer ausgeliefert.

Bis zum Friedensschluß zwischen den norddeutschen FĂŒrsten und dem Kaiser im Jahre 1642 Ă€nderte sich an der trostlosen Lage wenig. Erst danach besserte sich die wirtschaftliche Situation, da sich nun das Kampfgeschehen weiter nach SĂŒden verlagerte.

Umbau des Schlosses und Einrichtung des Kapuzinerklosters

Mit den FriedensschlĂŒssen von MĂŒnster und OsnabrĂŒck im Jahre 1648 wurde der DreißigjĂ€hrige Krieg offiziell beendet. Um seinem FĂŒrstentum gegenĂŒber den WelfenfĂŒrsten einen gewissen Schutz zu geben, entschloß sich der FĂŒrstbischof von Hildesheim Peine als Festung auszubauen.

Im FrĂŒhjahr 1659 trafen die ersten angeworbenen Bauarbeiter ein. Am 26. Juli begannen sie mit den Aushebungsarbeiten. Das Baumaterial zum Ausbau der Festung wurde aus dem ganzen Stift herbeigeschafft.

1660 konnte der Grundstein zum eigentlichen Festungsbau gelegt werden. Einzelne in der NĂ€he der Schloßanlage stehende WohnhĂ€user wurden auf Geheiß des Bischofs niedergerissen.

Der vormals runde Burgberg bekam nun einen nahezu quadratischen Grundriß mit hakenförmigen, im Uhrzeigersinn angeordneten Eckbastionen, die einige Meter höher waren als der Schloßhof. Der Graben wurde mit einer Breite von ca. 15 - 20 m angelegt.

Ein recht genaues Bild vom Aussehen dieser Anlage vermittelt uns der Grenzabriß zwischen den Ämtern Peine und Meinersen aus dem Jahre 1675. Dieser teilperspektivische Plan zeigt detailliert den das nördliche Stadtgebiet mit Schloß- und Marktbereich.

Das große Haupthaus des Schlosses diente den im Amte tĂ€tigen Beamten als Dienstwohnung. Daneben gab es eine Schreiberei, ein Waschhaus das „Graue Haus“, wahrscheinlich das 1816 abgebrochene Zeughaus), Stallungen, ein Pforthaus ein „Lusthaus im Garten“ sowie ein „Lusthaus auf dem Walle“. Komplettiert wurde die Anlage durch das alte Stockhaus des Grafen von Westphalen.

Eine weitere Quelle zur Rekonstruktion des Schloßberges sind die PlĂ€ne des FĂŒrstlich Hildesheimischen Lieutenants Heinrich-Friedrich Deichmann aus dem spĂ€ten 18. Jahrhundert. Die PlĂ€ne geben ein sehr exaktes Bild der frĂŒhneuzeitlichen Stadtanlage und des neugestalteten Schloßberges wieder. Im Gegensatz zur mittelalterlichen Anlage fehlt dem frĂŒhneuzeitlichen Schloß eine Vorburg zur Sicherung der ZugbrĂŒcke. Lediglich ein kleineres GebĂ€ude am stadtseitigen Ufer (auf dem GrundstĂŒck Rosenthaler Str. 15) hat wohl die Funktion eines Tor- oder BrĂŒckenwĂ€rterhauses. Die BrĂŒcke ĂŒber den Schloßgraben besteht mindestens zwei massiven Sandsteinbögen und einer beweglichen ZugbrĂŒcke, die vom Schloß aus bedient wurde. Am Ende der BrĂŒcke stand wiederum ein Torhaus.

Im Jahre 1661 war die innere Befestigungsanlage der Stadt fertiggestellt und die finanziellen Möglichkeiten erschöpft. Die ursprĂŒnglichen PlĂ€ne (Abb. ) kamen nicht mehr zur AusfĂŒhrung. In den folgenden Jahren wurden nur noch verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig bescheidene Bauten, nĂ€mlich das Zeughaus auf dem Schloß, der Pulverturm und das als LandesgefĂ€ngnis gedachte Stockhaus errichtet. Bis 1663 waren die Bauten fertiggestellt. Auf Kosten der Stadt wurden an den Toren sowie auf dem Marktplatz WachthĂ€user errichtet.

Den Abschluß der fĂŒrstlich-hildesheimischen BautĂ€tigkeit in Peine bildete die Renovierung der 1612 erbauten katholischen Pfarrkirche ”Zu Ehren aller Engel” sowie der Neubau des heute noch stehenden Kapuzinerklosters im 18. Jahrhundert.

Verfall, letzte Nutzungsversuche und Abriß des Schlosses

WĂ€hrend des 18. Jahrhunderts gab es wenig bauliche VerĂ€nderungen bei den öffentlichen GebĂ€uden. Verschiedenen Nachrichten zeigen, daß sich die Bausubstanz wegen mangelhafter Erhaltungsarbeiten stĂ€ndig verschlechterte. Als Beispiel fĂŒr den schlechten Zustand des öffentlichen Eigentums seien nur die 1662 errichteten WachthĂ€user genannt. Ende des 18. Jahrhunderts waren sie in so schlechtem Zustand, daß sie von den Soldaten nur noch unter Lebensgefahr betreten werden konnten. Auch das Schloß war zu dieser Zeit wohl schon sanierungsbedĂŒrftig. 1797 wurde wohl wegen BaufĂ€lligkeit als erstes das sogenannte Waschhaus abgerissen.

Die meisten Bauten waren noch vorhanden, als 1802, in engem Zusammenhang mit den Kriegen der absolutistischen MĂ€chte Europas gegen das revolutionĂ€re Frankreich, das Hochstift Hildesheim von Preußen annektiert wurde.

Noch im August 1802 rĂŒckten preußische Truppen in das Stift Hildesheim ein. Die Einnahme Peines erfolgte am 8. August von einem Hauptmann von Kronberg mit einer Kompanie Soldaten ohne Widerstand. Die fĂŒrstlich-hildesheimische Miliz wurde entwaffnet und in Hildesheim förmlich aus dem DienstverhĂ€ltnis entlassen. Man schaffte, soweit im Zeughaus noch vorhanden, Kanonen, Gewehre und Munition fort, oder bot dieses der Bevölkerung zum Kauf an.

Am 19. Dezember 1803 begannen die Abrißarbeiten auf dem Schloß. Den Anfang machten die Schloßmauern, die vom DomĂ€nenpĂ€chter und Oberamtmann Mertens fĂŒr ein neues Gesindehaus in Hofschwicheldt verwandt wurden. Danach legte man die Scheunen und schließlich das Haupthaus selbst nieder. Letzteres wird jedoch nicht vor 1813 abgerissen worden sein.

Zwischenzeitlich versuchten Peiner BĂŒrger, das brachliegende SchloßgelĂ€nde wirtschaftlich zu nutzen. Im Jahre 1807 bat der Ratskellerwirt Gosewisch die preußischen Behörden, die leerstehenden RĂ€ume des Zeughauses zu pachten, um eine Essigfabrik einzurichten. Fast zur gleichen Zeit beantragte der Fabrikant Oekermann, das SchloßgelĂ€nde fĂŒr seine Zichorienfabrikation (Kaffeeersatz) nutzen zu dĂŒrfen.

1813 ließ der Domainen-Administrator Osthaus aus Hildesheim das Peiner SchloßgelĂ€nde einschließlich der noch vorhandenen Bauten zum Verkauf anbieten. Laut den erhaltenen Archivalien erwarb das GelĂ€nde der DomĂ€nenpĂ€chter Mertens im Auftrag des französischen Generals Friedrich.

Auch nach der Übergabe gingen die Abbrucharbeiten am Schloß weiter. Der grĂ¶ĂŸte Teil der Bruchsteine, soweit sie nicht mehr anderweitig verwendbar waren, verwandte man auf Bitten des Grafen von Oberg zur Wegebesserung in Rosenthal und Schwicheldt. Die einstmals stolzen Mauern fanden so ihr trauriges Ende als Straßenschotter.

1816 erfolgte der Abriß des alten Zeughauses. Bei einem Sturm war am 16. Februar die ganze Nordseite des GebĂ€udes eingefallen. Daraufhin entschloß man sich, das baufĂ€llig gewordene GebĂ€ude ganz abzureißen. Damit war von den SchloßgebĂ€uden nichts mehr vorhanden. Lediglich der Burgbrunnen wurde noch von den Bewohnern der Dammgemeinde genutzt

Umbau zum Verwaltungszentrum

Nach dem Abriß der letzten SchloßgebĂ€ude gingen die hannoverschen Behörden daran, das verödete SchloßgelĂ€nde zum Verwaltungsmittelpunkt auszubauen. Als erstes errichtete man 1818 das auf dem Platz des ehemaligen Zeughauses ein Amtslokal und GefĂ€ngnis. Nur zwei Jahre spĂ€ter wurde dem seit 1815 in Peine tĂ€tigen Amtsassessor Ziegler eine Dienstwohnung, das heutige Grundbuchamt, errichtet. Unmittelbar hinter seiner Dienstwohnung legte Ziegler einen Spazier- und Irrgarten an.

Noch etwas spĂ€ter baute man an der Stelle des heutigen GefĂ€ngnisses ein StallgebĂ€ude fĂŒr die Dienstpferde der königlichen Beamten. An der Stelle des heutigen KreisgebĂ€udes stand eine sogenannte Zinskornbodenscheune. Beide dĂŒrften wohl FachwerkgebĂ€ude gewesen sein.

In den dreißiger Jahren wurde ĂŒber den Schloßberg gegen den entschiedenen und langjĂ€hrigen Widerstand der DammbĂŒrger ein Weg zum Marktplatz gebaut. Auf diese Weise konnten die aus Hannover kommenden Reisenden direkt auf den Marktplatz gelangen ohne den Umweg durch die Dammgemeinde.

Das heutige GelĂ€nde des Amtmann-Ziegler-Gartens gehörte ursprĂŒnglich der katholischen Kirche. Sie hatte hier ein Armenhaus errichtet. Nach seiner Entlassung aus dem hannoverschen Staatsdienst im Jahre 1854 ließ die zweite Frau des Amtmannes, Elise Ziegler, geb. Brandes, die Scheune zu einem Wohnhaus umbauen. Dabei war aber von vornherein wegen der knappen Geldmittel an Baumaterial und AusfĂŒhrung gespart worden. Schon nach kurzer Zeit zeigten sich erste BaumĂ€ngel, die von der Familie zum Teil mit erheblichen Kosten beseitigt werden mußten. Als der letzte Enkel der Familie 1918 im ersten Weltkrieg fiel, wurde das GebĂ€ude mehr und mehr vernachlĂ€ssigt. So verfiel es im Laufe der Jahre, bis es 1971, im Besitz der Stadt Peine, abgerissen wurde.

Auf dem ĂŒbrigen Schloßareal erfolgten erst in preußischer Zeit wieder Baumaßnahmen. So wurde 1868 die von Carl Haase aus Hannover entworfene neue katholische Kirche errichtet. In den achtziger Jahren brach man die alte Zinskornbodenscheune ab und erbaute das preußische Landratsamt. 1893 erwarb die Stadt Peine vom Fiskus den Schloßberg, die sogenannte Bastion. Es handelte sich dabei um eine etwa vier Meter hohe ErdaufschĂŒttung, die nördliche Eckbastion der frĂŒhneuzeitlichen Schloßbefestigung. Davor befand sich der Rest der alten Grabenanlage, der sogenannte Heller. Ferner erwarb die Stadt den dahinter liegenden und vom Landrat genutzten sogenannten „Amtsgarten“. An dieser Stelle errichtete die Stadt das heute noch stehende Ratsgymnasium sowie die katholische Volksschule.

Bastion und Heller, die von den BĂŒrgern der Stadt als Spazierweg genutzt wurden, ließ die Stadt gegen den Widerstand der Bezirks- und Provinzialregierung 1895 abtragen. Mit den Erdmassen der Bastion versuchte man den davor liegenden Heller wieder zuschĂŒtten. Das so gewonnene GelĂ€nde wurde als Straße (Burgstraße) ausgebaut.

Das 1818 erbaute Amtslokal und Gefangenenhaus wurde an den Landkreis verkauft. Dieser errichtete im Jahre 1900 hier das heute als „altes Kreishaus“ bezeichnete GebĂ€ude.

Erst nach Ende des zweiten Weltkrieges kam es zu weiteren Baumaßnahmen des Landkreises. Die gewachsenen Aufgaben kommunaler Verwaltungen fĂŒhrten zu Platzproblemen. Deshalb beschloß der Landkreis 1952/53 den Neubau eines Kreishauses. Das alte preußische Landratsamt wurde abgetragen und an seiner Stelle ein Jahr spĂ€ter das heutige KreistagsgebĂ€ude erbaut. Das „alte Kreishaus“ verkaufte der Kreis dagegen erneut an das Land.

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(1) - Bemerkenswert ist, dass der Text drei Synonyme fĂŒr den Begriff „Eule“ verwendet:
NOCTUA (1) – (Nacht-)Eule, Kauz
BUBO (4, 5) – Uhu, Eule
ULULA (6) – Kauz, Eule; von diesem den Ruf der Eule nachahmenden lateinischen Wort leitet sich ĂŒbrigens unsere „Eule“ ab.
-> freundlicher Hinweis von Herrn Giselher Stoll, Peine